Die Coronazeit im Spiegel von Dornröschen

Einleitung

Was wir derzeit weltweit politisch und wirtschaftlich erleben, ist einzigartig in der uns bekannten Geschichte. Auf die möglichen, vermuteten oder tatsächlichen Ursachen, Begründungen und Argumente für und wider will ich nicht eingehen. Dazu möge sich jeder selbst so umfassend informieren, wie es ihm eben möglich ist. Um sich ein eigenes Urteil und Bild zu verschaffen, scheint es mir aber nötig, nicht nur die Fernseh- und Zeitungsnachrichten zu beachten, sondern auch die von diesen als Falschmeldungen bezeichneten Informationen und insbesondere auch die wie Kraut aus dem Boden schießenden Faktenchecks anhand der untersuchten Originalbeiträge zu prüfen.

Zu welchem Urteil Du auch immer kommst, und unabhängig davon, wie lange die verordneten Maßnahmen das öffentliche und wirtschaftliche Leben noch einschränken, eines steht jetzt schon fest: Wir befinden uns in einem Wandel, den so niemand vor einem halben Jahr vorausgeahnt oder gar für möglich gehalten hätte. Ganz sicher wird die Welt nach Beendigung der letzten einschränkenden Verordnung auch nicht mehr so werden, wie sie Anfang März des Jahres 2020 noch war. Die Frage lautet also: Wie wird die Welt nach dem offiziellen Ende der „Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor der Corona-Infektion“ aussehen?

Auf diese Frage kann ich keine Antwort geben, aber ich bin sicher, dass wir Menschen es selbst in der Hand haben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir bereit sind, die Verantwortung für uns und unser Leben sowie für die Gestaltung unserer Zukunft selbst zu übernehmen. Dass wir die Verantwortung zunehmend an die Politik, die Arbeitgeber, die Versicherungen, Kindergärten, Schulen, Altersheime und andere abgegeben haben, und wie wir sie wieder übernehmen können, habe ich ausführlich in meinem Buch „Befreiendes – Visionen für das Jahr 2040“ beschrieben.

Wichtig ist mir, dass dieses beispiellose Geschehen eine Krise von epochaler Bedeutung ist, deren Chancen erkannt und aufgegriffen werden müssen, wenn wir uns, unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Zukunft wünschen.

Dazu ist es nach meiner Ansicht auch wichtig, die Krise als das zu erkennen, was sie im Kern ist: nämlich die Folge einer seit Jahrhunderten einseitigen Überbetonung des Männlichen gegenüber dem Weiblichen in Gesellschaft, Wirtschaft, Technik, Politik und in vielen Fällen in uns selbst. Sehr gut wird das im Märchen von Dornröschen sichtbar, weil es die Folgen des Ausschlusses und der Unterdrückung eines Pols, in diesem Falle des weiblichen, deutlich zeigt.

Durch die Betrachtung der gesellschaftlichen Parallelen zum Geschehen im Märchen will ich zeigen, dass wir als Kollektiv, als gesamte Menschheit uns an dem Punkt befinden, an dem Dornröschens einhundertjähriger Schlaf zu Ende geht. Damit will ich auch zeigen, vor welchen Aufgaben und Herausforderungen wir aktuell stehen, und was nötig ist, um diese Herausforderungen zum Wohle allen Lebens zu meistern.

 

Das Märchen

Nach dieser Einleitung betrachten wir nun das Märchen, in dem es um Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten des heilen Menschen geht. Also des Menschen, der beide Anteile, männliche und weibliche, möglichst zu gleichen Teilen in sich vereint.


Das kinderlose Königspaar

Das Märchen beginnt mit den Worten: Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: „Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!“ und kriegten immer keins.

Schon dieser Beginn zeigt deutlich, dass das Verhältnis zwischen den männlichen und weiblichen Anteilen, hier konkret zwischen dem Mann und seiner Frau, nicht stimmt. Es ist offensichtlich nicht ausgeglichen und so gespannt, dass innere Blockaden keine Zeugung zulassen. Noch wissen wir aber nicht, ob der König wegen zu viel Stress oder die Königin wegen mangelnder Hingabe oder beide wegen mangelnder Liebesfähigkeit kein Kind bekommen.

Individuelle Entsprechungen

Jeder von uns kennt vermutlich mindestens ein Ehepaar, das sich sehnlichst Kinder wünscht, aber keine bekommt. Vielleicht bist Du ja sogar selbst betroffen? Abgesehen von  ganz wenigen Fällen, in denen es tatsächlich organische Gründe gibt, liegt es in der überwiegenden Zahl der Fälle an sog. psychischen Befindlichkeiten. Diese lassen sich bei genauer Betrachtung fast alle auf eine Dominanz der männlichen Aspekte gegenüber den weiblichen zurückführen.

Da ist z. B. der Mann, der unbedingt die Karriereleiter emporsteigen möchte und sich so unter Erfolgsdruck setzt, dass er auch im intimen Beisammensein mit seiner Frau nur noch den Zweck der Übung sieht und sich ihr gar nicht liebevoll zuwenden kann. Wie soll da eine Seele sich eingeladen fühlen, als Kind zu inkarnieren?

Oder die Frau, die auf Grund der elterlichen und gesellschaftlichen Prägungen unbedingt ihren Mann im Leben, besonders im Beruf, stehen möchte. Die damit verbundenen täglichen Herausforderungen lassen sie kaum richtig zur Ruhe kommen, um eine Seele einzuladen, sie als Mutter zu wünschen.

Vermutlich haben aber in den meisten Fällen einer oder beide Partner sich gegenüber ihrem Fühlen bereits so weit verschlossen, dass sie nicht fühlen, was sie im tiefsten Inneren wirklich wollen. Der unbedingte Wunsch nach einem Kind kommt gar nicht von Herzen, sondern vom Kopf, weil es erwartet wird und man sich seine gegenseitige Liebe damit beweisen will. Unbewusst aber fühlt sich jeder bereits jetzt schon in ein Hamsterrad gesperrt und hat Angst vor noch mehr Einschränkungen und Abhängigkeiten, wenn erst mal ein Kind da ist.

Kollektive Entsprechungen

Für die Gesellschaft sind Kinder zwar nützlich und notwendig, um jene aufrecht zu erhalten, aber gleichzeitig stören sie, weil sie Zuwendung, Aufmerksamkeit und Zeit für sich beanspruchen. Deshalb werden sie in Krippen, Kindergärten und Tagesstätten gesteckt, damit die Eltern weiterhin an ihrem Arbeitsplatz funktionieren können. Derweil werden die Kinder schon darauf vorbereitet, später so zu funktionieren, wie es die Gesellschaft von ihnen fordert. Liebe, Zuwendung, Verständnis für die kindlichen Bedürfnisse sind aus gesellschaftlicher Sicht nebensächlich, wichtig ist nur der Nutzen für die Gesellschaft.

Kollektive Geburtsprozesse, wie z.B. die Geburt des industriellen Zeitalters oder die des Informationszeitalters, finden einfach statt, weil die Zeit reif dafür ist, und nicht, weil sie herbeigesehnt werden. Weitere Beispiele sind neue kulturelle Einrichtungen, neue gesellschaftliche Gruppierungen und Strukturen, neue Techniken und Firmen, neue Geld- und Wirtschaftsordnungen, neue Bildungs- und Forschungseinrichtungen bzw. –strukturen.


Die entspannte Königin im Bad

Das Märchen geht weiter mit: Da trug sich zu, als die Königin einmal im Bade saß, dass ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: „Dein Wunsch wird erfüllt werden. Ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen.”

Spätestens bei dieser Szene wird deutlich, dass das weibliche Element in der Beziehung der Königin zum König und zu sich selbst sehr stark unterdrückt wurde. Die Königin sitzt im Bade, sie ist daher sehr entspannt und ganz bei sich, also mit ihrer Seele im Kontakt. Der Frosch kommt aus dem Wasser, dem Unbewussten, ans Land gekrochen, tritt so ins Bewusstsein. Der Königin werden in ihrer entspannten Situation plötzlich bisher unterdrückte Aspekte ihrer Weiblichkeit bewusst. Diese neue Bewusstheit verändert die Beziehung zu ihrem Mann, sie wird ausgeglichener, lebendiger und von Liebe getragen. Somit steht der Empfängnis nichts mehr im Wege und sie wird schwanger.

Individuelle Entsprechungen

Wie wohl jeder wenigstens ein Ehepaar kennt, dass sich ein Kind wünscht und lange keines bekommt, hat vermutlich auch fast jeder von diesen Menschen schon erlebt, wie dann plötzlich nach Jahren doch noch ein Kind das Licht der Welt erblickt.

Ich selbst habe es mehrfach in meinem Umfeld erlebt, und immer ging ein Loslassen von alten Vorstellungen und tiefe Entspannung voraus, manchmal ermöglicht durch einen zuvor erfolgten Wechsel der Arbeitsstelle oder einen Umzug. Immer war der Umgang des Paares miteinander liebe- und verständnisvoller als zuvor.

Kollektive Entsprechungen

Auch im gesellschaftlichen und politischen Bereich lassen sich immer seltener offene Gelassenheit und tiefe Entspannung mit Blick nach innen auf das eigentliche Wesen (z. B. des Staates, der Wirtschaft, des Geldes, der Bildung, der Gesundheitspflege, der Technik usw.) feststellen.

Aber es gibt immer wieder einzelne Menschen oder Gruppen, die durch offensichtliche Mängel, Widersprüche und sinnlose Vorschriften aufgeschreckt werden und neue Konzepte, Abläufe, Verfahrensregeln oder Methoden entwickeln und umsetzen wollen. Leider werden sie meist ausgebremst, möglicherweise versetzt oder gar entlassen, da deren Geburten, die sich als segensreich für die gesamte Gesellschaft erweisen könnten, nicht in das starre Raster des bestehenden Systems passen. Zu sehr fühlen sich das nur noch dem rationalen Zweckdenken gehorchende System und deren Vertreter in ihrer Existenz bedroht, als dass von Herzen und aus der Seele kommende Impulse und Modelle zur Neuerung akzeptiert oder wenigstens erprobt werden könnten.

Sehr wohl hat es in der historischen Vergangenheit vielfach „Geburten“ gegeben, die sich kollektiv ausgewirkt haben. Am deutlichsten ist dies im Bereich der Kunst (auch Baukunst), Literatur und Musik, aber auch in Wissenschaft und Technik sichtbar. Ganze Epochen sind von deren Impulsen geprägt worden. Am Beispiel der Kunst[1] ist gut zu sehen, dass diese Kinder sehr oft genau dem vorherrschenden männlichen Ideal angepasst waren, dass es aber auch Epochen gab, die sehr viel weiblich Elemente enthielten.

Die Romanik beispielsweise ist eine sehr männliche Epoche, die ganz und gar dem Zweck dient, den Menschen die Ansichten und Glaubensinhalte der kirchlichen und weltlichen Herrscher nahezubringen. Die Kirchen sind trutzig und wehrhaft gebaut, die Bilder enthalten fast ausschließlich religiöse oder höfische Motive, deren Symbolik nur männliche Aspekte der kirchlich christlichen Dogmen zeigt.

Schon die Entstehung des Christentums ist ein schönes Beispiel für ein Kind, das sein Potential nicht leben darf. Einst als Lehre der Liebe überwiegend weiblich geprägt, werden die Stifter und Vertreter dieser Lehre sehr schnell verfolgt, unterdrückt und getötet. Anschließend pressen die herrschenden Machthaber die Lehre in ein starres Korsett aus Dogmen und Glaubensregeln, so dass die nun männlich ausgerichtete Religion zum Instrument der Unterdrückung der Menschen mit Hilfe der Angst wird.

Die Renaissance kann als eine Zeit gesehen werden, die über rund 100 Jahre hinweg männliche und weibliche Aspekte weitgehend ausgewogen beinhaltet. Die Natur rückt ins Interesse der Maler und wird sehr realistisch dreidimensional dargestellt.

Nach der überwiegend männlich orientierten Klassik treten mit der Romantik wieder mehr weibliche Aspekte in der Kunst auf. Naturbilder werden so dargestellt, dass Gefühle der Freude, der Bedrohung, der Leichtigkeit oder der Gewalt sichtbar werden.und solchen mit überwiegend männlichen Aspekten setzt sich bis heute fort.

Als gesellschaftliche Prozesse, die nicht so selbstverständlich ablaufen, sehe ich nahezu alle Revolutionen, die immer von Machtinteressen gesellschaftlicher Gruppen angeschoben und von diesen in die Richtung gelenkt werden, die schließlich zur Machtergreifung durch eben diese Gruppen führen.

In keinem Fall führt eine solche Revolution jemals zur Befreiung der Menschen von Unterdrückung und Herrschaft durch Minderheiten. Lediglich die Methoden der Machtausübung und der Instrumentalisierung der Massen für die Zwecke der Herrschenden ändern sich und werden immer subtiler, so dass sie vom einzelnen Menschen kaum noch wahrgenommen werden.


Geburt der Tochter

Wenden wir uns wieder dem Märchen zu. Wir erfahren, dass der Frosch Recht hatte, somit das bewusst gewordene Gefühl, nun für eine Schwangerschaft bereit zu sein, richtig war. Und die Königin gebar ein Mädchen, das war so schön, dass der König vor Freude sich nicht zu lassen wusste und ein großes Fest anstellte. Ja, dieses unschuldige Mädchen ist die reine Weiblichkeit für den König. In sie projiziert er alles, was er in sich selbst ablehnt und alles, was ihm die Königin nicht bieten kann. Das damit verbundene Glück muss unbedingt gefeiert werden. Und wir erfahren: Er ladete nicht bloß seine Verwandte, Freunde und Bekannte, sondern auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kind hold und gewogen wären. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche, weil er aber nur zwölf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so musste eine von ihnen daheim bleiben.

Wir ahnen schon, dass sich hier Unheil ausdrückt, das sich noch verstärken wird. Ganz deutlich wird es in der Gegenüberstellung der 13 weisen Frauen zu den 12 vorhandenen goldenen Tellern. Dreizehn weise Frauen – dreizehn Mondzyklen hat ein Jahr. Die Dreizehn steht hier stellvertretend für das Weibliche an sich. Demgegenüber steht die Zwölf für das Männliche. Zwölf Monate hat das Sonnenjahr, das irgendwann das Mondjahr mit 13 Monden ablöste. So sehr überwiegt in diesem Königreich das Männliche, dass der König nur 12 goldene Teller hat, also keine Rücksicht auf das Weibliche nimmt. Der Aspekt der Macht und des Reichtums ist ihm so wichtig, dass es unmöglich ist, von der Etikette und der Machtdemonstration durch die 12 goldenen Teller in irgendeiner Weise abzuweichen, die es vielleicht ermöglicht hätte, alle 13 weisen Frauen einzuladen. Nein, es können und dürfen nur 12 Frauen kommen, eine muss daheim bleiben. Es wird sehr deutlich, dass sich die Freude des Königs nur auf die kindliche unreife Weiblichkeit seiner Tochter bezieht. Die reife Weiblichkeit sieht er als Bedrohung seiner Macht. Wir werden es in der folgenden Szene noch klarer sehen.

Individuelle Entsprechungen

Zwar ist der Ausschluss einzelner Gäste wegen mangelnden Geschirrs bei Familien- oder Jubiläumsfeiern eher unüblich, aber trotzdem weisen viele private Festlichkeiten oft sehr männliche Elemente auf. Eines der auffallendsten ist die exakte Planung nicht nur des Termins und Ortes der Feierlichkeit, sondern das exakt gestaltete Festprogramm, das unter gar keinen Umständen irgendwelche Unwägbarkeiten enthalten sollte. Um ja keinen unerwünschtem Beitrag zu ermöglichen, wird darum gebeten, schon vorab alle Wünsche für einen Beitrag dem Festgremium bekannt zu geben, um ihn in den Gesamtablauf einbinden zu können. Das Motiv dahinter ist in jedem Fall die Angst, das Fest könne zeitlich oder inhaltlich entgleisen.

Kollektive Entsprechungen

Die Planung öffentlicher Feierlichkeiten und Feste mit mehreren hundert oder gar tausenden Menschen erfolgt besonders gründlich. Beispielsweise wird bei den Osterzeremonien des Vatikans in Rom oder den öffentlichen Zeremonien von Nationalfeiertagen weltweit nichts dem Zufall überlassen. Alles, was nicht vorausgeplant werden kann, wird streng mit einem hohen Polizeiaufgebot überwacht und kontrolliert. In keinem Programm dürfen die Ansprachen und moralischen Apelle des Königs und seiner Hofschranzen fehlen, und oft gibt es Vorklatscher, damit der Souverän weiß, wann zu welchen Aussagen applaudiert werden muss.

Und die Herolde berichten selbstverständlich alle vollkommen frei über die Festlichkeit und sind voll des Lobes, weil die Reden der Herrscher so exzellent sind.

Wieder bietet die Kirche ein gutes Beispiel für die rein männliche Ausrichtung der Feiern. Der sogenannte Gottesdienst wird nach immer gleichen Regeln zelebriert. Männer und Frauen dürfen zwar inzwischen gemischt sitzen, aber noch immer darf nur der Pfarrer oder Priester etwas sagen. Die Gemeinde darf lediglich vorgegebene Lieder und Gebete mitsingen bzw. mitsprechen.


Die Wünsche der weisen Frauen

Im Märchen heißt es weiter: Das Fest ward mit aller Pracht gefeiert, und als es zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Schönheit, die dritte mit Reichtum, und so mit allem, was auf der Welt zu wünschen ist. Als elfe ihre Sprüche eben getan hatten, trat plötzlich die dreizehnte herein. Sie wollte sich dafür rächen, dass sie nicht eingeladen war, und ohne jemand zu grüßen oder nur anzusehen, rief sie mit lauter Stimme: “Die Königstochter soll sich in ihrem fünfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen.” Und ohne ein Wort weiter zu sprechen, kehrte sie sich um und verließ den Saal. Alle waren erschrocken, da trat die zwölfte hervor, die ihren Wunsch noch übrig hatte, und weil sie den bösen Spruch nicht aufheben, sondern nur ihn mildern konnte, so sagte sie: “Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertjähriger tiefer Schlaf, in welchen die Königstochter fällt.”

Was hier als Rache der dreizehnten Frau bezeichnet wird, ist bei genauer Betrachtung eher die Ankündigung der Konsequenz, welche die Unterdrückung des Weiblichen mit sich bringt. Diese zwangsläufige und notwendige Folge wird im Alter von 15 Jahren, der Zeit der Pubertät, stattfinden. Die körperliche Entwicklung vom Mädchen zur Frau wird die Prinzessin zwingen, sich ihrem Wesenskern, der Spindel, zuzuwenden. Und sie wird feststellen, dass sie überwiegend männliche Eigenschaften und Tugenden in sich ausgeprägt hat. Das wird ihr so einen Stich versetzen, dass sie meinen wird, sterben zu müssen. Ja, das Weibliche ist in gewisser Weise schon gestorben, da es sich bis dahin nicht entwickeln konnte. Die zwölfte Frau weist aber darauf hin, dass dieser Stich zwar eine Ohnmacht bewirkt, aber sich das Weibliche sehr wohl noch entfalten kann, wenn die Ohnmacht als solche angenommen und zur Reifung genutzt wird. Dass es die zwölfte ist, zeigt uns, dass sie den männlichen Anteil in sich gut integriert hat und dem chaotischen Zustand des Todes eine ordnende Bedeutung oder Funktion zuweisen kann. Während die dreizehnte Frau der Archetyp der reinen Weiblichkeit ist, steht die zwölfte als Idealfrau mit  gleichermaßen entwickelten weiblichen und männlichen Anteilen da.

Die 100 Jahre sagen nichts über die tatsächliche Dauer des Schlafes aus, sondern, dass er genügend lang sein muss, um in die Ganzheit zu kommen, um ihre weiblichen Anteile soweit zu entwickeln, dass sie mit den männlichen im Gleichgewicht sind, dass sie zusammen 100% ergeben.

In ihrer einseitig männlichen Ausrichtung sind weder der König noch die Königin fähig, die Warnung richtig zu verstehen. So handelt der König erneut falsch, indem er alle Spindeln im ganzen Land verbrennen lässt, und nun meint, der Tochter könne kein Leid geschehen. So sicher ist er sich, dass er die Tochter sogar an deren 15. Geburtstag allein im Schloss zurücklässt. Sie aber genießt offensichtlich die erstmals gespürte Freiheit und Unabhängigkeit von den Eltern und geht ihrem Impuls der Neugierde nach: Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm.

Individuelle Entsprechungen

So wie die dreizehnte Fee trotz aller Vorkehrungen unerwartet den Saal betreten hat, kommt es auch bei kleinen privaten Feiern immer wieder vor, dass ein Gast unerwartet dazu kommt oder ein geladener Gast unangenehme Wahrheiten äußert.

Denken wir nur an Hochzeitsfeiern, auf denen das Brautpaar von wohlmeinenden Gästen schon ermahnt wird, unbedingt bestimmte Verhaltensweisen oder Lebenssituationen zu ändern, da die Ehe sonst keinen langen Bestand habe. Natürlich wollen beide den vielleicht wahren Kern nicht sehen und schon gar nicht sich selbst ändern. Aber vorsichtshalber werden gleich nach der Feier alle möglichen oberflächlichen Streitpunkte beiseite geräumt in der Annahme, nun Glück und Frieden auf Dauer zu haben.

Kollektive Entsprechungen

Im öffentlich-gesellschaftlichen Bereich kommt es immer wieder vor, dass Menschen vor unerwünschten Entwicklungen warnen und deren mögliche Folgen deutlich darstellen. Egal, ob es sich dabei um wirtschaftliche, technische, geldpolitische, kulturelle oder sonstige die Gesellschaft betreffende Fragen handelt, in den meisten Fällen will es niemand wahr haben, am wenigsten die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Wenn tatsächlich von Kritikern auf nicht zu widerlegende Fakten hingewiesen wird, werden schnell ein paar Symptome behandelt. In der Medizin ist das ja seit langem die übliche Vorgehensweise, um den Patienten zu beruhigen. Aber auch in der Wirtschaft und Technik ist es inzwischen die Norm. Beispielsweise werden Grenzwerte für Schadstoffe in Luft, Wasser und in Böden einfach angehoben, um sie als ungefährlich erscheinen zu lassen. Ist dies nicht möglich, werden mit aufwendigen Techniken die Schadstoffe gefiltert oder umgewandelt, wie beispielsweise die Abgase der Verbrennungsmotoren oder aus Kraftwerken. Echte Lösungen, wie zum Beispiel die Optimierung der Verbrennung mit Hilfe von Katalysatoren oder feinstofflich-energetisch, werden gar nicht erst gesucht. Und wenn dann pfiffige Tüftler solche Lösungen anbieten, werden sie als Unsinn, physikalisch unmöglich oder mit anderen Scheinbegründungen abgelehnt.

Eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte bezüglich pragmatischer Lösungen ist wohl die Zeit der Inquisition. Um die Gefahr des Einsturzes des religiösen Weltbildes zu verhindern, werden nicht nur Spinnräder verbrannt, sondern die sie benutzenden Menschen gleich mit.

In weltweit allen Diktaturen werden Systemkritiker in Gefängnisse, Arbeitslager, Zuchthäuser und Irrenanstalten gesperrt oder auch ermordet, um das System am Leben zu erhalten. Die Mehrzahl der Menschen glaubt lieber der Propaganda, als dass sie ihr Leben gefährden, und sind bald sicher, dass die Propaganda die Wahrheit und die Wahrheit Lüge ist.

In sogenannten demokratischen Gesellschaften sind die Methoden, Systemabweichler und Feinde mundtot zu machen, etwas subtiler, aber es gibt sie auch da[2]. Das Mittel der Wahl ist hier sehr häufig die Denunziation der andersdenkenden als Verfassungsfeinde, Verschwörungstheoretiker, Rechts- oder Linksradikale, als …leugner oder einfach nur als Spinner. Die Propaganda fällt nicht als solche auf, da sie von einer vermeintlich freien Presse in unterschiedlichen Variationen und Nuancen als scheinbare Meinungsvielfalt verkündet wird. Aber immer ist Propaganda daran zu erkennen, dass sie die stets gleichen Inhalte so lange wiederholt, bis die Menschen sie glauben und als Wahrheit ansehen.


Der Stich an der Spindel

Dornröschen kam also an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf, und gelangte zu einer kleinen Türe. In dem Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel, und als es umdrehte, sprang die Türe auf, und saß da in einem kleinen Stübchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig ihren Flachs.”Guten Tag, du altes Mütterchen”, sprach die Königstochter, “was machst du da?” – “Ich spinne”, sagte die Alte und nickte mit dem Kopf. “Was ist das für ein Ding, das so lustig herumspringt?” sprach das Mädchen, nahm die Spindel und wollte auch spinnen. Kaum hatte sie aber die Spindel angerührt, so ging der Zauberspruch in Erfüllung, und sie stach sich damit in den Finger. In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf.

Immer höher hinauf führt sie ihre Entdeckungsreise und damit immer weiter weg von den täglich gleichen Eindrücken und den Normen des Alltags. Die Mauer des Turms, den sie hinaufsteigt, lässt keinen Ausblick zu, so kann sie immer tiefer in sich selbst schauen. Oben angekommen, dort, wo der Blick am tiefsten reicht, entdeckt sie schließlich eine kleine Kammer in sich, in der sie ihren Wesenskern unmittelbar entdeckt. Ihre lebendige Weiblichkeit begegnet ihr als altes Mütterchen, das an ihrem Lebensfaden spinnt. Gleichzeitig spürt sie Lust am Auf und Ab des Lebens. Der unbewusst wahrgenommene Abstand zwischen dem gleichförmigen und normierten Leben am Hofe des Königs und dem vertrauensvoll am Lebensfaden spinnenden alten Mütterchen sowie dem lustvollen Auf und Ab des Lebens in dem alten Turm versetzt ihr tatsächlich einen Stich, der sie ohnmächtig auf das Bett sinken lässt. Unbewusst erkennt sie, dass der Vater, die Mutter und sie selbst ohne irgendwelche Macht sind, dass ihr Leben vollständig von dem in ihr schlummernden göttlichen Kern abhängt, den sie bisher nicht be- und geachtet hat. Sie fühlt, dass all die Ideen, Glaubenssätze, Normen, Regeln und Taten, mit denen sie sich bisher identifizierte, nur Schein sind und keine Sicherheit bieten. So weit klaffen die innere Welt, die sie gerade wahrnimmt, und die bisher gewohnte äußere Welt auseinander, dass sie nicht bewusst hinsehen kann oder will. So herausfordernd erscheinen ihr die Konsequenzen, dass sie es vorzieht, die Augen davor zu verschließen, also zu schlafen und die neuen Einsichten erst einmal zu verdauen.

Individuelle Entsprechungen

Ich denke, jeder hat in seinem Leben schon mehrmals Stiche empfunden. Dabei ist es gleich, ob eine Beziehungskrise, eine Auseinandersetzung mit einem Vorgesetzten, eine Diskussion, ein gemütlicher Spaziergang bei schönem Wetter in reizvoller Landschaft oder der Besuch einer Ausstellung oder einer Theateraufführung dazu führt, dass plötzlich dieser Stich erfolgt, bei dem unmittelbar spürbar wird, dass etwas nicht mehr stimmt.

Manchmal führt der Stich direkt zu Klarheit, aber die meisten Stiche werden zunächst ignoriert und schön geredet. Dann geht das Leben weiter wie zuvor, bis der nächste Stich kommt, der uns wieder auffordert, hinzusehen und das bisher Verdrängte wahrzunehmen, anzuerkennen und heil zu werden.

Und irgendwann, wenn jeder neue Stich als unbedeutend abgetan wird, wenn der schon lange Schlaf nicht zu einer Besserung führt, wenn sich auch nach Jahren keine Blüten an der Dornenhecke zeigen, weil wir uns nicht für den Partner, den Kollegen, die Schönheit der Natur, die Wahrheit dessen, was das Kunstwerk oder das Drama ausgedrückt hat, öffnen, erfolgt der Burnout oder eine andere Krankheit lässt uns wissen, dass es endlich reicht.

Das ist für viele Betroffene dann der Punkt, an dem sie tatsächlich hinsehen, Verdrängtes wahrnehmen, nicht Gelebtes erkennen, sich den Schmerzen, dem Leid, dem Zuviel und dem Zuwenig zuwenden, um ins Gleichgewicht zu kommen und so zu heilen.

Aber es gibt leider auch diejenigen, die immer noch am Traum der heilen Welt festhalten und dann, wie von der dreizehnten Fee prophezeit, sterben.

Kollektive Entsprechungen

Ähnlich geht es auch großen Firmen, Staaten und Ländern, weltweiten Organisationen oder gar der gesamten Menschheit. Die Aussagen der dreizehnten und der zwölften weisen Frau in Form sachkundiger Kritik und vielleicht auch Verbesserungsideen für alle möglichen Teilsysteme verhallen weitgehend unerhört, und bestenfalls das eine oder andere Detail wird korrigiert. Plötzlich tauchen ernsthafte Probleme auf, die als schmerzhafter Stich ins System spürbar werden. Jetzt wäre hinzusehen, was eigentlich falsch läuft und ob vielleicht die plötzlichen Probleme mit den Renten oder im Gesundheitssystem, in der Landwirtschaft, der Bildung oder der Wirtschaft nur Symptome für vielleicht tiefer liegende Ungleichgewichte und Unstimmigkeiten sind, ob sie vielleicht alle eine gemeinsame Ursache haben oder zumindest miteinander verbunden sind. Stattdessen wird daran festgehalten, dass alles in Ordnung ist, und bestenfalls das jeweils auftretende Symptom behandelt. Beispielsweise wird das Rentenalter heraufgesetzt, die Rentenbeiträge werden erhöht und die Schulzeit verkürzt. So schleppt sich das System einige Jahre weiter, bis ein neues Problem an anderer Stelle auftritt und den nächsten Stich versetzt.

Je nachdem, wie stabil das betreffende System ist, kann es sich vielleicht über viele Jahre weiterhin schlafend dahinschleppen. Aber schwächere Systeme trifft der Tod in Form von Insolvenzen oder Staatsbankrott bis hin zur Auflösung ganzer Staaten, wie z. B. der Sowjetunion und Jugoslawiens.


Der hundertjährige Schlaf

Aber nicht nur Dornröschen verschließt die Augen vor den offensichtlichen Unstimmigkeiten und den eigentlich notwendigen Konsequenzen. Nein, der gesamte Hof schläft lieber, anstatt sich offen den Tatsachen und Unstimmigkeiten zuzuwenden: Und dieser Schlaf verbreitete sich über das ganze Schloss: der König und die Königin, die eben heimgekommen waren und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hofe, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch, der den Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, in den Haaren ziehen wollte, ließ ihn los und schlief. Und der Wind legt sich, und auf den Bäumen vor dem Schloss regte sich kein Blättchen mehr. Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr höher ward, und endlich das ganze Schloss umzog und darüber hinauswuchs, dass gar nichts davon zu sehen war, selbst nicht die Fahne auf dem Dach.

Sogar auf die Tiere und Sachen wirkt dieser Schlaf. Er ist also nicht nur auf die Geistestätigkeit beschränkt, sondern ganz besonders auch auf das Fühlen und den Instinkt bzw. die Intuition. Die fortgesetzte Abwendung von der eigenen Lebendigkeit, die Unterdrückung jeglichen lebensförderlichen Impulses lässt sogar das Feuer erlöschen und den Wind sich legen. Ja, kein kreativer Funke kann noch das Feuer der Begeisterung entfachen und keine Idee wird in konkrete Handlungen umgesetzt, da ihnen der Wind aus den Segeln genommen wird.

Gleichzeitig verschließt sich jeder einzelne und der gesamte Hofstaat gegen jede Anregung von außen. Unbewusst werden alle äußeren Einflüsse, die den mit dem Schlaf verbundenen Traum von der heilen Welt stören könnten, mit Hilfe von Rechtfertigungen, Ausflüchten und Lügen abgeschmettert. So entsteht mit der Zeit ein immer dichteres Gestrüpp, welches zunehmend undurchdringbarer wird. Damit verschließen sie sich wie mit einer immer dichter und höher wachsenden Dornenhecke gegen alles, was ihren Schlaf stören könnte. Und irgendwann ist selbst die Fahne, die noch hochgehalten wird, nicht mehr sichtbar.

Individuelle Entsprechungen

Dass die Unterdrückung individueller Impulse, Gefühle, Wünsche und Aspekte sich auf den gesamten Organismus und alle Lebensbereiche eines Menschen auswirkt, hat vermutlich jeder schon erlebt. Eine nicht offen zugegebene Ehekrise z. B. beschränkt sich keineswegs nur auf die Beziehung der beiden Partner, sondern wirkt sich auch auf die Leistung am Arbeitsplatz, natürlich auf die Kinder und den Umgang mit Freunden aus. Es kann gar nicht anders sein, weil immer der ganze Mensch betroffen ist. Diese Ehekrise kann tatsächlich die gesamte Familie lähmen und auch die Haustiere spüren es und ziehen sich zurück.

Kollektive Entsprechungen

Je nach Größe und Bedeutung eines Kollektivs wirkt sich auch dessen Problem, wenn es verdrängt wird, auf andere aus. Der Kontakt zu Kunden und Lieferanten wird ebenso leiden, wie das Verhalten gegenüber sog. Konkurrenten. Fast immer führen unterschwellige Probleme zu Unsicherheiten bei allen beteiligten Menschen. Diese übertragen sich auch auf deren Familien und Freunde. Es tritt möglicherweise eine Lähmung in der gesamten Branche ein. Wir erinnern uns z. B. an den sog. Dieselskandal bei VW. Obwohl zunächst nur VW betroffen ist, breitet sich der Rückgang der Absatzzahlen auch gleich auf andere Hersteller aus.


Die Dornenhecke

Das Märchen berichtet drastisch, wie unmöglich es jedem ist, das Dickicht aus Rechtfertigungen, Anschuldigungen, Vorwürfen, Halbwahrheiten und Schweigen zu durchdringen: Es ging aber die Sage in dem Land von dem schönen schlafenden Dornröschen, denn so ward die Königstochter genannt, also dass von Zeit zu Zeit Königssöhne kamen und durch die Hecke in das Schloss dringen wollten. Es war ihnen aber nicht möglich, denn die Dornen, als hätten sie Hände, hielten fest zusammen, und die Jünglinge blieben darin hängen, konnten sich nicht wieder losmachen und starben eines jämmerlichen Todes.

Zum ersten Mal wird an dieser Stelle der Name Dornröschen erwähnt. Damit wird offensichtlich, dass diese Hecke nicht aus Bösartigkeit gebildet wurde, sondern dass dieser Kokon aus Gestrüpp und den dahinter befindlichen Schlossmauern Schutz bietet für die Entwicklung der Rose. Hinter den lebenswidrigen Dornen entfaltet sich also bereits die Vollkommenheit und die Liebe der Rose. Wie ein Walnusskern von der harten Schale und einer umgebenden grünen Hülle beschützt wird und erst keimen kann, wenn er die passenden Bedingungen vorfindet, kann sich die Weiblichkeit Dornröschens erst entwickeln, wenn sie die nötige Reife erlangt hat. Wie sich eine Raupe verpuppt und lange Zeit in diesem Stadium verharrt, um sich zum Käfer oder Schmetterling zu entwickeln, muss Dornröschen solange ruhig schlafend verharren, bis sie sich zur reifen Frau entwickelt hat. Wie die Puppe von ganz allein aufspringt, aus der dann der fertige Käfer oder Schmetterling kommt, wird auch die Hecke sich von allein öffnen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Und so geschieht es auch, wie wir im weiteren Verlauf erfahren: Nach langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das Land, und hörte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erzählte, … Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte. Als der Königssohn sich der Dornenhecke näherte, waren es lauter grosse schöne Blumen, die taten sich von selbst auseinander und liessen ihn unbeschädigt hindurch, und hinter ihm taten sie sich wieder als Hecke zusammen. …  und endlich kam er zu dem Turm und öffnete die Türe zu der kleinen Stube, in welcher Dornröschen schlief. Da lag es und war so schön, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuss. Wie er es mit dem Kuss berührt hatte, schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte, und blickte ihn ganz freundlich an. …

In ihrer nun entwickelten Reife fühlt Dornröschen die Liebe und die gute Absicht, in der der Prinz kommt, und öffnet sich ihm, so dass er ihr innerstes Wesen berühren kann. Aber hinter dem Prinzen schließt sich die Hecke wieder. Die Prinzessin gibt sich also nicht ungeschützt jedem Menschen preis, sondern schützt sich weiterhin mit der Hecke. Durch diese kann sie jetzt mit offenen Sinnen und offenem Herzen wahrnehmen, wer in böser, wer in guter Absicht kommt, wer für sie förderlich ist und wer nicht. Sie kann jetzt also unterscheiden zwischen Gut und Böse und hat die Reife ja oder nein zu sagen. Und diese Reife erlaubt es ihr, den Kuss des Prinzen anzunehmen, sich also mit dem Männlichen zu verbinden.

Individuelle Entsprechungen

Ich bleibe hier bei dem Beispiel einer Beziehungs- oder Ehekrise, da ich glaube, dass jeder Mensch entsprechendes in seinem Leben erfahren hat.

Ganz am Anfang steht meistens die Missachtung erster Zeichen der Unstimmigkeit, weil wir sie nicht wahrhaben wollen. Irgendwann werden aber die kritischen Töne, die möglichen Anschuldigungen, die aggressive Stimme des Partners, die bewussten und unbewussten unterschwelligen Verletzungen, die Distanzierung, die ironischen Töne so häufig, dass wir sie wahrnehmen müssen.

Wir spüren den Stich, der uns zeigt, dass wir uns selbst nicht lieben, dass wir deshalb unser Gegenüber nicht lieben können. Aber statt hinzuschauen, was wir in uns ablehnen, weshalb wir plötzlich Schwierigkeiten mit dem Partner oder der Partnerin haben, rechtfertigen wir uns und unser Verhalten, deuten berechtigte Kritik um in Schuldvorwürfe und projizieren alles, was wir an uns selbst nicht mögen, auf den oder die Menschen, von denen wir uns bedrängt, unverstanden und nicht ernst genommen fühlen.

Das ist der Moment, in dem wir beginnen, uns Dornen zuzulegen. Und je mehr wir uns gegenüber uns selbst verschließen, gegenüber den aufsteigenden Gefühlen des Ärgers, der Wut, der Ohnmacht und Hilflosigkeit, umso mehr verschließen wir uns zwangsläufig gegenüber dem Partner und der Partnerin. So wächst die Hecke schließlich, bis sie so dicht ist, dass irgendwann der letzte Rest des einst liebevollen Miteinanders weicht, und wir auch den wohlwollenden Rat einst guter Freunde und Freundinnen, der eigenen Geschwister oder Eltern nicht mehr an uns heranlassen.

Statt zu fragen und hinzuhören, den einst geliebten Menschen als Spiegel unserer Selbst zu erkennen, argumentieren wir nur noch rational und verteidigen unsere Standpunkte und Einstellungen, rechtfertigen unser Handeln und Verhalten und erwarten Verständnis vom Anderen ohne selbst verstehen zu wollen. So hoch ist die Hecke inzwischen gewachsen, dass selbst das stets hochgehaltene Fähnchen des einst gesprochenen Ehegelöbnisses, sich gegenseitig zu lieben in guten wie in schlechten Tagen, nicht mehr zu sehen ist.

Gleichzeitig aber findet im Inneren doch langsam aber sicher Klärung statt. In der selbstverordneten Abgeschiedenheit reift die Erkenntnis, dass etwas anders werden muss. Die Ängste, die hinter dem Widerstand gegen alles Äußere liegen, werden erkannt, und je mehr sie angenommen werden, umso mehr lösen sie sich auf. Und dann geschieht das Wunder, dass die Hecke Blüten bekommt und sich öffnet. Jetzt ist der Zeitpunkt, sich wieder zu öffnen für den Partner, die Partnerin, die Freunde, Geschwister und Eltern. Egal, ob der dann erfolgende Kuss der Versöhnung dient oder den Abschied einleitet, es tritt Klarheit ein und eine Entscheidung wird getroffen.

Kollektive Entsprechungen

So zahlreich sind die Entsprechungen in gesellschaftlichen Bereichen weltweit und über die Jahrtausende hinweg, dass damit ganze Bücher gefüllt werden könnten. Das hier betrachtete Dornröschen ist die Gesellschaft der BRD. An wenigen markanten Ereignissen zeige ich, wie die immer höher und dichter wachsende Hecke aus Anschuldigungen gegen vermeintliche Feinde aller Art, aus Rechtfertigungen der jeweils herrschenden Politiker und immer enger ausgelegten Rechtsvorschriften schließlich die wichtigsten Fahnen auf dem Dach des Schlosses BRD, die der Demokratie, der Meinungsfreiheit und der Rechtsstaatlichkeit, überwuchert.

Studentenunruhen der 1960-er Jahre

Ab Mitte der 1960-er Jahre versetzen die damaligen Studentenunruhen[3] der noch nicht zwanzigjährigen BRD ihre ersten heftigen Stiche. Erstmals seit dem Bestehen der BRD fordern junge Menschen in großer Zahl mehr demokratische Freiheiten und Mitbestimmung im Hochschulbereich, protestieren gegen die Notstandsgesetze[4] und den Vietnamkrieg sowie gegen kapitalistische Ausbeutung und unbegrenztes Wirtschaftswachstum. Es ist also ganz offensichtlich etwas aus dem Gleichgewicht geraten, die protestierende Jugend fühlt sich nicht beachtet und ernst genommen, bevormundet und eingeengt von alten Strukturen, die auf überholten Werten basieren.

Und wie reagiert das Gemeinwesen, also die unbeteiligten Bürger, die Politiker, die Medien und die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung? Bei genauer Betrachtung genauso wie das Individuum in der oben geschilderten Beziehungskrise. Der Souverän spürt zwar den Stich, der ihm zeigt, dass etwas nicht stimmt, dass es nicht mit sich selbst im Reinen ist, dass es seine Identität nicht wirklich kennt, aber es schaut nicht hin. Der Traum von der demokratischen Freiheit darf nicht gestört werden. Deshalb wird der Protest verurteilt und das eigene Verhalten mit allerlei Gründen gerechtfertigt. Am Ende werden in Form einiger struktureller Veränderungen wenige der Forderungen der unzufriedenen Jugend erfüllt, aber grundsätzlich ändert sich nichts, und der Schlaf kann ruhig fortgesetzt werden.

RAF-Terror

Folglich werden die Herausforderungen für den Souverän und den Staat größer. Den nächsten Stich versetzen ihm die Aktivisten der RAF[5]. Nach zwei Kaufhausbränden 1968 und Banküberfällen 1970 folgt im Mai 1972 der erste Bombenanschlag mit Toten. Ihren vorläufigen Höhepunkt findet die Anschlagsserie nach Morden an S. Buback, J. Ponto und H. M. Schleier im Herbst 1977 mit dem Freitod der RAF-Mitglieder Baader, Ensslin und Raspe im Gefängnis.

Und wie reagieren Öffentlichkeit und Politik diesmal? Der Stich der offensichtlichen Gewalt reißt die Masse aus ihrem Traum, aber kaum jemand denkt daran (eine Ausnahme ist Heinrich Böll[6]), auf die gesellschaftlichen Verwerfungen und die daraus folgenden Ungleichgewichte zu sehen, gegen die Baader und Meinhof meinen, nur mit Terror vorgehen zu können. Insbesondere die Presse verurteilt nur den Terror und findet sonst keine Fehler oder Mängel im System. Die Staatsorgane gehen rein pragmatisch mit dem Terror um, arbeiten mit den neuen Methoden der Rasterfahndung und beschließen die Kontaktsperregesetze[7]. So kann jeder in Ruhe weiterträumen und die Hecke wächst langsam aber sicher.

Einheit Deutschlands und die Folgen

Ein Ereignis, mit dem kaum jemand einen Stich ins Fleisch des Souveräns verbinden wird, ist der Fall der Berliner Mauer, die anschließende Öffnung der innerdeutschen Grenze und der dann folgende Einigungsvertrag[8]. Die Freude über die Einigung ist allgemein übergroß und lässt den gleichzeitig versetzten Stich kaum wahrnehmen, der darin besteht, dass die neuen Bundesländer einfach in die BRD eingegliedert werden und die Chance zur Erfüllung des Artikels 146 des Grundgesetzes[9], eine Verfassung in freier Entscheidung zu beschließen, nicht ergriffen wird. Bis heute ist dieser Stich nicht verheilt, sondern klafft offener als vor dreißig Jahren. Aber wer will denn aus so einem schönen Traum erwachen?

Noch ist das Dornengestrüpp nicht vollkommen undurchdringlich. So finden immer wieder tapfere Ritter einen Weg hindurch und versuchen, das schlafende Dornröschen mit weiteren Stichen zu wecken. Sie verkünden z.B., dass der „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland[10]“ nicht die vollständige Souveränität beinhalte und ein Friedensvertrag mit den ehemaligen Kriegsgegnern noch ausstehe.

Der Stich ist schmerzhaft und reißt Dornröschen kurz aus dem Schlaf, doch lässt es sich von den Beteuerungen der medialen Herolde schnell wieder einlullen. Lauthals verkünden diese im Namen der Herrscherin, dass der vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages in drei Punkten bestätigte Fortbestand des Besatzungsrechts[11] eine freiwillige völkerrechtliche Bindung sei. Diese liefere gerade den Beweis der vollständigen Souveränität und mache einen Friedensvertrag überflüssig.

Da darf es nicht verwundern, dass weitere Ritter das Gestrüpp der verschiedenen Gesetze und höchstrichterlichen Urteile zu durchdringen versuchen, deren eines da lautet, dass das Wahlrecht von 1956 verfassungswidrig[12] ist. So aufgeschreckt, wird der Souverän unruhig, zumal das Wahlrecht nicht geändert wird, und immer mehr Menschen stellen die Rechtmäßigkeit aller seit 1956 erlassenen Gesetze und Verordnungen in Frage[13], egal wie tief der Stich die selbsternannten Hüter von Recht und Ordnung im Namen des Grundgesetzes trifft.

„Reichsbürger“ und „Staatsleugner“?

Schnell wächst die Hecke und erhält neue Ruten und Dornen in Form der kaum verständlichen Bereinigungsgesetzte[14] und neuer Verordnungen. Die Unerschrockenen unter den Rittern der Gerechtigkeit und der Freiheit sehen diese als neue Herausforderungen und verkünden, dass diese Gesetze den Besatzungsstatus wieder herstellen[15] und dass alle Behörden in Wirklichkeit private Firmen seien. In immer größerer Zahl entstehen daher selbstverwaltete Gemeinden[16], provisorische oder kommissarische Reichsregierungen und Völkerrechtssubjekte, von denen das bekannteste das Königreich Deutschland[17] ist.

Dornröschen leidet offensichtlich an Geschwüren des gesamten Magendarmtraktes, die zu Übelkeit, Auswürfen und Durchfällen führen. Aber diese Geschwüre sind nur Symptome des Ungleichgewichts im Geist und in der Seele. Verdrängte kollektive Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche stehen verdrängten Motiven für das gewaltsame Festhalten an Standpunkten, Meinungen, Glaubenssätzen und Prinzipien gegenüber und lassen sich nicht vereinen. So weicht der einst schöne Traum vom geeinten Land mit freiheitlich demokratischen Rechten langsam einem Traum, in dem immer mehr Menschen als Rechtsradikale, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und Staatsleugner zu Feinden der freiheitlich demokratischen Grundordnung erklärt werden, die kein Recht auf Achtung und Gehör haben. Die Hecke wächst höher und auf dem einst grünen Rasen wachsen zunehmend stachelige Disteln und Brennnesseln, welche die Diskriminierung und Anschuldigung bei jedem falschen Schritt schmerzhaft spürbar machen.

Zunehmender Terror

Die so erfahrene andauernde Missachtung und Verurteilung führt jedoch wie die ständige Einnahme eines Schmerzmittels nur zur Verstärkung der Symptome. Schließlich will alles Verdrängte irgendwie ans Licht. Dementsprechend grauenhafter gestaltet sich der Traum. Mord- und Terroranschläge auf wehrlose und friedliche Menschen stören den bereits unruhigen Schlaf des Souveräns. Als Täter werden regelmäßig  schon vor der Aufklärung mal radikale Islamisten und mal fremdenfeindliche Rechtsradikale ausgemacht, die entweder psychisch gestört sind, sich selbst das Leben nehmen oder auf der Flucht erschossen werden. Der neutrale Beobachter wundert sich über die immer wieder gleichen Muster der Anschläge und fragt sich, ob sie vielleicht von ganz anderen Kräften inszeniert werden.

Die bisher hochgehaltene Fahne der Rechtsstaatlichkeit ist jedenfalls längst nicht mehr sichtbar hinter der inzwischen gewachsenen Hecke. Stattdessen wälzt sich Dornröschen bereits halbwach mit Alpträumen im Bett. Gespenster der Apokalypse tauchen in ihren Träumen auf und drohen mit dem Untergang der Erde durch Klimakatastrophen, Übervölkerung, neue Kriege und weltweite Hungersnöte. Erleichtert stellt sie in kurzen Augenblicken des Wachseins fest, dass es nur Träume waren. Aber noch sind die 100 Jahre nicht vollständig vorüber, so dass sie wieder einschläft.

Coronazeit

Erneut wird sie von einem üblen Alptraum heimgesucht, schlimmer als alle zuvor geträumten. Ein Virus aus China findet seinen Weg über den gesamten Globus und befällt Menschen aller Hautfarben in jedem Land der Erde. Angeblich ist er hoch ansteckend und tödlicher als alle schon bekannten Viren. Schutz bieten allein sehr strenge Maßnahmen weltweit. Sämtliche Grenzen werden geschlossen. Die Menschen dürfen nicht mehr aus den Häusern. Für die notwendigen Einkäufe wird ihnen das Tragen von Atemschutzmasken vorgeschrieben. Nach und nach kommt die Weltwirtschaft immer mehr zum Erliegen. Die Nachrichtensprecher berichten allabendlich mit sorgenvoller Miene über die sich schnell ausbreitende Pandemie und täglich mehr Todesfälle. Die Angst geht um und lähmt letztlich das gesamte öffentliche Leben, das nur noch von diesem einen Thema beherrscht wird.

Erneut machen sich tapfere Helden auf den Weg, das schlafende Dornröschen zu wecken. Aber welcher Schreck, die Hecke ist so hoch gewachsen, dass nun auch das Fähnchen der Meinungsfreiheit nicht mehr zu sehen ist. So fest sind die Ranken der Leitmedien miteinander verwachsen, dass es kein Durchkommen gibt. Wer dennoch einen geheimen Weg über die Hecke oder unter ihr hindurch findet, bleibt schließlich an den spitzen und scharfen Blättern der inzwischen überall wuchernden Kakteen und üppig wachsenden Disteln aus Faktenchecks hängen, die selbst in den kostenlosen wöchentlichen Werbeblättern zu finden sind.

Dank der im Land gut ausgebauten elektronischen Medien gelingt es den unbeugsamen Rittern der Wahrhaftigkeit[18] doch, zunehmend Gehör zu finden. So schlägt Dornröschen jetzt öfter die Augen kurz auf und erkennt immer deutlicher, dass alles nur ein übler Traum ist. Aber mit jedem erneuten Schließen der Augen, wird der Traum noch schlimmer. In den Nachrichten weltweit wird die Notwendigkeit von Impfungen immer häufiger betont. Einer der reichsten Männer[19] will die gesamte Menschheit impfen lassen, um wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Dornröschen wird Angst und Bange. Der Schweiß bricht aus in dem Moment, in dem ein Entwurf für die Änderung des IfSG[20] vorgelegt wird, der einen Immunitätsnachweis vorsieht.

Es wehrt sich gegen den Traum und will die Augen öffnen. Aber einige Tage oder Wochen muss es noch ausharren bis zum Ablauf des hundertsten Jahres. Noch sind Geist und Seele nicht vollständig geklärt, um heil und ganz die Charaktereigenschaften zu entwickeln,  die in Zukunft Machtmissbrauch und Herrschaft von Menschen über Menschen verhindern.

Derweil stehen die Ritter schon vor der Hecke, die nun auch die Fahne der Demokratie völlig überwuchert hat. Sie wissen, dass sie sich in Kürze öffnen wird. Inzwischen erfreuen sie sich an den bereits sichtbaren Blüten der Freiheit: einer echten Demokratie, einer pharmaziefreien Medizin, einer Wissenschaft und Bildung frei von wirtschaftlichen und politischen Interessen, einer gesunden Landwirtschaft auf Basis der Permakultur, einer neuen Geld- und Wirtschaftsordnung ohne Zins und Zinseszins, einer dezentralen Energieversorgung auf Basis der frei verfügbaren Ätherenergie, einer von Liebe und gegenseitiger Achtung getragenen Kommunikation, einer dezentralen Trinkwasserversorgung mit Hilfe hocheffizienter Filter und Klärsysteme, abgasfreier Transportsysteme dank Wasserstofftechnik und Nutzung des Magnetismus, eines Rechtssystems auf Basis des Naturrechts.

 

Schlussbetrachtung[21]

Ich meine, es sollte deutlich geworden sein, dass es von uns abhängt, wie es nach der sog. Coronakrise weitergeht. Wir können den Alptraum wahr werden lassen und uns dann nach dem Erwachen in einer Weltdiktatur finden oder wir öffnen uns endlich dem Leben und der Liebe, um dann vollkommen wach die bereits sichtbaren Blüten zur vollen Entfaltung zu bringen.

Aus der Biologie wissen wir, dass ein Organismus nur gesund ist, wenn jede seiner Zellen und jedes Organ gesund ist. Das hier betrachtete Dornröschen ist der soziale Organismus der gesamten Menschheit, der wiederum Staaten und Völker als Organe enthält. Damit also der Menschheitsorganismus gesunden kann, müssen die Völker und Staaten genauso gesunden, wie jeder einzelne Mensch.

Es liegt also letztlich an jedem Einzelnen von uns, sich seinem eigenen Wesen, seiner Seele, seinem Herzen, seinen Glaubenssätzen und Überzeugungen, seinen Vorurteilen und Werten zuzuwenden, um alles zu sehen, was bisher verdrängt wurde, nicht gelebt wurde oder viel zu große Bedeutung bekam.

Dank des weitgehenden Stillstandes der Wirtschaft haben wir die Chance, unsere tatsächlichen Bedürfnisse, unsere tiefsten Seelen- und Herzenswünsche zu erkennen, die nichts mit den Wunschgedanken gemein haben, die aus dem ständigen Vergleich mit anderen in uns auftauchen. Dann werden wir auch erkennen, wie wir wirklich leben wollen, wie wir unsere Beziehungen gestalten wollen, unsere Umwelt, Wirtschaft und Politik, wie unsere Kinder leben und lernen sollen, wie wir mit unseren Alten umgehen wollen. Wir werden, jeder Einzelne für sich, erkennen, dass unser Gesundheitssystem, unsere Technik, unsere Landwirtschaft, unsere Häuser und Wohnungen nicht dem Lebendigen dienen, weil sie kalt, funktional, lieblos gestaltet sind und nur monetären Profit bringen sollen.

Mit den so gewonnenen neuen Einsichten können wir schließlich daran gehen, die Welt neu zu gestalten. Wir finden gemeinsam Strukturen, die Machtmissbrauch und Herrschaft von Menschen über Menschen ausschließen. Wir schaffen erstmals in der uns bekannten Geschichte der Menschheit echte Demokratie, Freiheit und Frieden für alle Menschen. Wir etablieren eine Geld- und Wirtschaftsordnung, die Wohlstand für alle ermöglicht und der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen und allen Lebens dient.

Wir forschen frei von egoistischen Wünschen und Zielen mit kindlicher Neugierde und lassen Herz und Seele daran teilhaben. Dadurch bezieht die Wissenschaft auch die nichtsichtbaren Phänomene der Natur und des Lebens mit ein. Statt an unbewiesene Viren und andere angebliche Krankheitskeime zu glauben, verstehen wir mit all unseren Sinnen, was Gesundheit ist und wie sie beeinträchtigt wird. Statt uns der Liebe eines anderen Menschen durch verbale Beteuerungen und angebliche Liebesbeweise zu versichern oder umgekehrt solche Beteuerungen und Beweise selbst liefern zu wollen, spüren wir im Herzen, dass wir geliebt werden. Wir spüren, dass Liebe nicht auf einen oder wenige Menschen bezogen ist, sondern eine die ganze Menschheit und alles Sein durchdringende und verbindende Kraft oder Energie ist.

Wir erkennen, was unsere von Geburt an vorgegebene Aufgabe und Bestimmung ist, und erfüllen diese durch Nutzung aller uns mitgegebenen Talente und Gaben mit Freude. Dadurch sind wir wirklich frei, dass wir unsere Aufgabe an dem uns bestimmten Platz zu der uns gegebenen Zeit mit den uns verfügbaren Mitteln zum Wohl allen Lebens annehmen.

Weiterführende Literatur:

Erich Fromm:             Haben oder Sein

Erich Fromm:             Die Anatomie der menschlichen Destruktivität

Jiddu Krishnamurti:    Einbruch in die Freiheit, als Einführung bit.ly/JK_EidF_Zitate

Sigwart Zeidler:          Befreiendes – Visionen für das Jahr 2040

 

Quellen

[1]    https://malen-lernen.org/kunstepochen-kunststile/

[2]    www.gehirnwaesche.info

[3]    bit.ly/StudUnr68, bit.ly/StudU68, bit.ly/StudUn68, bit.ly/StudU_68

[4]    bit.ly/NotSG_1, bit.ly/NotSG_2

[5]    https://bit.ly/RAF_00, https://bit.ly/RAF_01, https://bit.ly/RAF_02,

[6]    https://bit.ly/HBöll_T1, https://bit.ly/HBöll_T2

[7]    https://bit.ly/KotSpG, https://bit.ly/KoSpG_T

[8]    https://bit.ly/EinV_1, https://bit.ly/EinV_2

[9]    https://bit.ly/GG_146

[10]   bit.ly/2u4_Vertr, bit.ly/2u4_PDF, bit.ly/2u4_BGBl,

[11]   https://bit.ly/2u4_VoFV, https://bit.ly/2u4_WD_1, https://bit.ly/2u4_PDF_2

[12]   https://bit.ly/BVG_WahlR, https://bit.ly/BVG_Wahlen

[13]   https://bit.ly/WahlR_Folge

[14]   bit.ly/BerGes, bit.ly/BerGes1, bit.ly/BGes_BGBl_1, bit.ly/BGes_Buz1,  bit.ly/BGes_Buz2,

[15]   https://bit.ly/agmiw_1

[16]   bit.ly/GemNhs, bit.ly/GemNhs_SV

[17]   http://koenigreichdeutschland.org/de/

[18]   z.B. Dr. Wolfgang Wodarg, Prof. Dr. Bhakdi, Dr. Claus Köhnlein, Dr. Stephan Lanka,
Dr. Rüdiger Dahlke, Prof. Dr. Klaus Püschel, Dr. med. Bodo Schiffmann

[19]   https://bit.ly/Gates_IW

[20]   Infektionsschutzgesetz, https://bit.ly/GiI_IfSG, https://bit.ly/Spahn_IfSG, https://bit.ly/Spahn_ImAus

[21]   Zur Vertiefung dieser Schlussbetrachtungen empfehle ich:
https://bit.ly/TD_200506 sowie alle dort angegebenen Quellen, https://bit.ly/TD_200506_PC