Liebe Leserin, lieber Leser,

der heutige Beitrag ist wieder ein Gastbeitrag, der mich sehr inspiriert hat wegen seiner ungewöhnlichen Art der Darstellung und Formulierung. Ich wünsche, dass Ihr ihn mit Freude lest und ebenfalls zum Fühlen, Einfühlen und Hinfühlen, aber auch zum Weiter- und Nachdenken, angeregt werdet.

Unter dem obigen Titel will der Autor Werner de Ville Vreden eine ganze Reihe von Artikeln veröffentlichen. Wir dürfen also auf weitere gespannt sein.

 

Eine lebenswerte Welt für alle ist möglich, nein, mehr, sie ist die einzig überzeugende

Eine Artikelreihe von Werner de Ville Vreden

 

Freiheit und Sicherheit

Die Überschrift ist vielleicht die einzige Aussage, die ich machen möchte, die alle anderen Möglichkeiten ausschließt. Ansonsten soll die Welt offen sein.

Ach nein, ich habe noch eine Aussage: Solange nur ein einziges Kind in der Welt Hunger haben muß oder auf der Straße leben muß, ist für mich die Welt nicht in Ordnung.

Aber solche Aussagen machen wir vielleicht viele, sie sind eben nicht ungewohnt, selbst diese ziemlich absoluten Aussagen : Es ist das Herz, das entscheidet. Ein Kind, das nicht lachen kann, ist für mich das Symbol für Unglück. Warum?

Ja, und hier beginnt die Reise. Das Finden von Gründen, die intuitiv gefundenen Aussagen zu unterstützen. Aussagen, die, wie wir fühlen, richtig sind. Der Grund hier ist einfach: Ein Kind ist das Symbol für unsere Zukunft, der Träger unserer Zukunft. Und diese Zukunft soll unglücklich sein? Ist also schon klar. Und schon sind wir mit unseren Gefühlen im Reinen.

Ich möchte noch eine weitere Erkenntnis anfügen, die mit Kindern zu tun hat, und diese führt direkt ins Zentrum der Überlegungen über eine Welt für alle:

Wenn ich Kinder sehe, machen sie mich einfach glücklich. Sicher, manchmal gehen sie mir auf die Nerven, aber es ist mir schon vor langem aufgefallen, dass es die absolute Ausnahme ist, dass sie mich mit ihrem Lärm stören. Warum?

Ich saß früher mehrmals auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof Bonn und machte da Pause. Gegenüber war das Internetcafé. Und davor sah ich Kinder mit ihren Eltern warten. Sie warteten auf eine freie Kabine. Und die Kinder bewegten sich und waren einfach Kinder. Das machte mich glücklich.

Warum? Ich habe es lange nicht begriffen. Kinder haben noch die absolute Freiheit, alles zu machen. Dieses Gefühl drücken sie aus, ohne es zu wissen, natürlich. Erst nach und nach schränkt man sie durch “Erziehung” ein.

Und schon der nächste Gedanke: Eine gute Erziehung wäre demnach eine, die ihre Freiheiten nicht nur bewahrt, sondern eine Gesellschaft ermöglicht, die die Freiheiten aller erweitert. Anders gesagt, die Möglichkeiten aller.

Aber nicht zu technokratisch, es soll menschlich bleiben: Freiheiten. Das ist der richtige Blickwinkel. Der ist viel kraftvoller, er ist zum Beispiel nicht “positiv”, sondern “gut”, ein guter Blickwinkel, weil menschlicher („gut“) und nicht technischer („positiv“) Blickwinkel.

Das ist für mich die moderne Gesellschaft. Also, die wirklich moderne Gesellschaft, denn der Begriff “modern” wird auch oft missbraucht. “Modernität” bedeutet die freie Rekombination, gelebt zum ersten Mal in den dreißiger Jahren. Schon wieder etwas gelernt, einen Grund gefunden für die Freiheit.

Denn genau vor der haben viele Menschen Angst. Wenn man sagt, daß die Freiheit das Erste und Wichtigste ist, dann denken sie automatisch an Anarchie. Neulich konnte ich sogar die Bedeutung dieses Begriffs neu lernen. Ich kannte ihn nur schlecht besetzt.

Freiheit bzw. Anarchie bedeutet die Verantwortlichkeit und Selbstverantwortlichkeit aller, also etwas “Gutes”, und nicht die Zügel- und Regellosigkeit, die normalerweise der kleine Bürger damit verbindet. Die übliche Propaganda, also. Die Sprache der Herrschenden.

Sie haben gesehen, dass ich nicht “Kleinbürger” gesagt habe. Ich wollte eben nicht herabsetzen, sondern etwas sagen. Und ich bin auch ein kleiner Bürger wie die anderen, unterworfen dem aktuellen System.

Doch das soll eben nicht bedeuten, dass ich mich manipulieren lassen darf. Ich habe nämlich Verantwortung, und so bekommt der Begriff “Anarchie” eine neue und verantwortungsvolle Bedeutung, die großen Strukturen, die unser Leben bestimmen, unserem Willen zu unterwerfen. Große Strukturen eben nur dann, wenn sie von der Allgemeinheit bestimmt werden.

Denn die großen, zügel- und regellosen Strukturen sind gerade dabei, unser Leben in Gefahr zu bringen. Das Leben aller.

Tja, auf einmal geht das schlechte Image vom kleinen Bürger, der in eigener Verantwortung leben will, also anarchisch, über auf diejenigen, die, ohne Verantwortung zu zeigen, über uns bestimmen wollen, nur, weil sie groß sind.

Hier sind wir wieder bei der Freiheit. Auch ich war kleiner Bürger und habe mich gefragt, warum denn die Freiheit wichtiger als die Sicherheit sei?

Das ist essentiell, denn da entsteht die Angst. Oder eben nicht, wenn die Antwort stimmt.
Ganz einfach: Diejenigen, die uns Sicherheit versprechen, indem wir an sie unsere Freiheit abgeben, sind genau diejenigen, die unsere Sicherheit nach und nach einschränken, weil sie unsere Freiheit einschränken.

Und das werden sie IMMER tun. Die Geschichte zeigt, daß, wenn man sich bevormunden lässt, der Vormund zum Beherrscher wird.

Einfaches Beispiel: Wenn ich auf der Post (in Frankreich) sage und schreibe acht Tage vorher Bescheid geben muß, wenn ich Geld abheben will, dann bringt das möglicherweise meine Kinder in Gefahr, wenn ich nicht sofort darüber verfügen kann, um ihnen zu helfen, wenn es notwendig ist.
Eine Notreserve wird außer Funktion gesetzt!

Suchen Sie mal weitere Beispiele für den ABBAU von Sicherheit durch Maßnahmen, die vorgeben, der Sicherheit zu dienen. Will sagen, Sie durch ihre Angst auszunutzen! Sie werden sehr schnell finden!

Jetzt war ich bei der Freiheit. Und gehe weiter.
Denn ich habe gezeigt, wie ich sie einordne. Ich suche und finde Gründe, wesentliche und überprüfbare Gründe, denn ich wette, daß keine einzige wissenschaftliche Überprüfung existiert, warum acht Tage Vorankündigung bei Barabhebung sicherer sein sollen als drei Tage, wie vor 2020.

Denn im Januar dieses Jahres hatte man mit Tipp-Ex auf dem kleinen Schild am Eingang der Post die “3” in eine “8” verwandelt. Und jedes Mal sah ich das, wenn ich in die Post eintrat. Habe ich nicht vergessen!

Dieses Suchen und Zuordnen von Gründen nenne ich einen möglichen Weg zur Konstruktion einer offenen Gesellschaft für alle. Basierend auf der Forderung der Freiheit für alle. Und schon wird aus dem kleinen Bürger der Citoyen, der mündige Bürger.

Bitte gehen Sie herum und suchen Sie die Gründe, warum man Ihre Freiheit einschränkt, heutzutage fast überall. In achtundneunzig Prozent der Fälle dient es dazu, Sie auszunutzen, genauer, Sie zu beherrschen.

Gut, bitte machen Sie auch Ihre eigene Überprüfung! Glauben Sie mir nicht!
Das wäre für mich die nächste Regel. Gute Regel?
Sagen Sie es mir! Teilen Sie es mir mit! *

Ich konstruiere mir also einen Regelsatz, der einfach FUNKTIONIERT! Und wenn er funktioniert, hat er seine Glaubwürdigkeit doch erlangt, oder?
Ja, und genau das könnte man “Konstruktivismus” nennen, aus den berühmten dreißiger Jahren.

Und die andere Regel, die, alles selbst zu überprüfen, die kommt aus dem Buddhismus. Keine Angst, mich kriegt keiner in ein Kloster! Ich habe nur mit zwanzig Jahren meinen “Siddharta” gelesen, Hermann Hesse, neben Schopenhauer einer der Lieblingsautoren meines Großvaters.

In dem Büchlein steht alles Wesentliche drin, was man über Buddhismus wissen muß. Zum Beispiel, dass er keine Religion ist, sondern eine Philosophie. Will sagen eine Möglichkeit, die Welt zu sehen.

Also wieder kein blinder Glaube, sondern Erfahrung. Denn Überprüfen erzeugt eine persönliche Erfahrung. Und dann kann man von Freiheit sprechen. Und auch von Sicherheit, denn dann ist gesichert, dass meine Bedürfnisse gesichert sind. Die überprüften Dinge sind mit mir abgeglichen.

Und das muß ich dann den Rest meines Lebens machen, denn eines ist sicher: Alles fließt!
Hier noch der Begriff aus der Antike, aber damit ist nur gemeint, dass die Dinge prinzipiell in stetiger Veränderung begriffen sind. Und da sind einige unverrückbare Regeln doch sehr nützlich, oder?

Genau diesen Dienst sollten die Verfassungen leisten, vor allem die Erklärung der Menschenrechte in Frankreich 1789. Ich formuliere es mal schärfer: Es ist erstaunlich, wie lange diese Regeln schon gehalten haben. Es wird nach ihnen geurteilt, immer noch, könnte man sagen.

Wenn man genau hinsieht, dann stellt man fest, daß diese Regeln auch einige Tausend Jahre lang gesucht worden sind. Das war also viel Arbeit.

Diese Sucherei oder besser Entwicklung gipfelte dann in der Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts, und, wie so oft, sind die Franzosen die Vorreiter. 1776 in den USA findet für mich sozusagen daneben statt, auch absolut grundlegend, bestechend und kraftvoll, was die sich kreiert haben (es zeigt gerade seine Macht), aber die Vervollständigung und Erfüllung sehe ich in der “déclaration des droits de l’homme”.

Das, was seit Jahrhunderten in der Luft lag, wurde in diese Regeln gegossen. Man könnte sagen, wie bei den zehn Geboten. Die Zeit war 1789 reif, und es fand DIE Revolution der Menschheitsgeschichte statt.

Und mit meiner Formulierung “Es ist erstaunlich, wie lange diese Regeln schon gehalten haben” will ich ganz präzise etwas sagen. Diese Menschenrechte oder das Grundgesetz sind Regeln wie große Felsen, die die gefährliche Brandung brechen, Felsen, die zur Orientierung dienen, die zeigen, wo man entlang fahren sollte, die aus sehr langer Erfahrung heraus einen Rahmen geben, zeigen, wohin das Denken, die Meinung und die Entscheidungen fließen sollten, welche Grenzen sie ganz grob nicht überschreiten sollten. Um seit Jahrhunderten ihren Dienst leisten zu können, müssen diese Felsen sprich Regeln schon verdammt gut sein!

Es lohnt sich also, sich über diese Rechte und Regeln Gedanken zu machen, sie dienen uns, wenn man sie ernst nimmt. Sie dienen dazu, unsere Freiheit und dadurch unsere Sicherheit zu bewahren.

Unsere Sicherheit ist z.B. dann in Frage gestellt, wenn die Freiheit, wissenschaftliche Tatsachen kundzutun, eingeschränkt wird. Damit hat man dann, denke ich, genug aktuelles Material, um seine Schlüsse zu ziehen.

Den Satz lasse ich so stehen und wünsche frohes Sinnen, Überprüfen und Konstruieren.

 

Werner de Ville Vreden Saint Maurice, den 11 Juni 2021
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